Inklusionspreise, die keine sind

Das Land Berlin vergibt seit 2003 einen Inklusionspreis für Betriebe, die schwerbehinderte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigen. In diesem Jahr ist das wieder so.

Bis vor ein paar Jahren hieß der Preis noch Integrationspreis. Dass ein bloßer Namensaustausch noch lange nicht automatisch wirklich gleichberechtigtes Miteinander bedeutet, kann man ganz gut an diesem Preis erkennen.

Schon in der Überschrift der Ausschreibung spricht der Senat von Berlin von „behindertenfreundlichen“ Unternehmen, die gesucht werden. Inklusion meint aber nicht (nur) Freundlichkeit, sondern Gleichberechtigung.

Noch weniger inklusiv wird es dann bei den Vergabekriterien: Zunächst werden die Betriebe nach dem Vorhandensein einer Schwerbehindertenvertretung und einer Integrationsvereinbarung nach § 83 SGB IX gefragt. Sicher leisten viele Schwerbehindertenvertreter und – vertreterinnen gute Arbeit, aber das bloße Vorhandensein sagt noch nichts über deren qualitative Arbeit aus.

Als nächstes werden die Unternehmen gefragt, ob sie Aufträge an Werkstätten für behinderte Menschen erteilen.

Wenn ein Unternehmen Aufträge an Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) vergibt, tut er für das gleichberechtigte Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung – nichts. Die Nutznießer der Verträge an WfbM sind die Betriebe, in denen nichtbehinderte Menschen arbeiten, weil

  • sie ihre Aufträge zu günstigen Konditionen erteilen können
  • die behinderten Menschen nur ca. 180 € monatlich verdienen
  • sie dann noch ihre Ausgleichsabgabe für nichtbesetzte Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen um die Hälfte des Rechnungsbetrages reduzieren können.

Zum Schluss wird dann noch gefragt, welche Maßnahmen für den behinderten Mitarbeiter getroffen wurden: „Besonderer Parkplatz“, „Behinderungsgerechte Arbeitsplatzgestaltung“ und wieviel das alles den Arbeitgeber gekostet hat.

Gleichberechtigte Teilhabe geht anders. Ich will lieber Geschichten hören, wie beide Seiten von der Zusammenarbeit lernen, gemeinsam profitieren und gleichberechtigt zusammenarbeiten.

Das wäre Inklusion.

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